Über mich  + Ausstellungen und Events

Geboren wurde ich 1956 in Altenmarkt in einem Dorf, das von der Alz und der Traun herzförmig umflossen wird. Diese Flüsse trugen einiges dazu bei, dass ich sehr früh mit den Strömungsformen des Wassers in Berührung kam.


Mit der Tropfenbildanalyse habe ich dann über die Gestalt von Strömungsformen die Wasserqualität  verschiedener Gewässer in meiner Zeit als Waldorflehrer selbst experimentell untersucht (siehe unten). 

Theodor Schwenk hat in seinem Buch "das sensible Chaos" eindrucksvoll belegt, dass fast alle organischen Strukturen sich in Strömungsformen des Wassers wiederfinden. 

Das bewegte Wasser wurde deshalb für mich ein wichtiger Lehrer bezüglich der Ästhetik der organischen Formen.




Tropfenbild 

(erzeugt mit Hilfe einer selbstgebauten Schlierenbildanlage)

In meiner Jugend bin ich in der Schule zum ersten Mal beim Plastizieren von Tieren mit dem wunderbaren Material "Ton" in Kontakt gekommen. Dabei habe ich erlebt, dass Strukturen, die ich in mir fühle, über meine Hände Gestalt annehmen. Es waren prägende, fast magische Momente, die mich immer noch und immer wieder faszinieren. 


Ich bin jedoch nicht gleich den Weg des bildenden Künstlers gegangen, weil ich zu dieser Zeit auch von den Entdeckungen der modernen Genetik begeistert war. Biologische Strukturveränderungen in der Embryologie und deren genetische Basis waren das Fachgebiet, das mich am meisten interessierte, in dem ich auch promoviert habe. 


Aber nicht die Uni wurde mein  Betätigungsfeld, sondern die Waldorfschule, wo ich auch das Plastizieren mit Ton wieder aufnahm und Kurse für Schüler - neben meiner Lehre der Biologie und Chemie - gab.


Nun bin ich in Rente und kann mich ganz dieser Leidenschaft des Plastizierens bei der Gestaltung von Bronzeporträts hingeben.

Trostberger Fenster (mein Artikel)
Schorsch Bichler beschäftigt sich seit mehr als sechs Jahrzehnten mit der Gestaltung menschlicher und tierischer Figuren. Nach einer langen Lehrtätigkeit als Biologie- und Chemielehrer an Waldorfschulen widmet er sich seit seiner Pensionierung ganz seiner ursprünglichen Leidenschaft, dem plastischen Arbeiten und der Portraitkunst.

Worum geht es bei einem Portrait? Ich möchte ein wenig ausholen. Ein Mensch offenbart dem Gegenüber seine seelisch geistige Verfassung über seine Sprache und über das Mienenspiel seines Gesichts. In diesem sind es die Augen, aus denen uns die Seele eines Menschen entgegenblickt. Nun, was hat der Porträtist damit zu tun?

Die Geschichte der Portraitkunst zeigt unterschiedliche Aufgaben, die sie erfüllen musste: von der Darstellung von Status und Macht mit den entsprechenden Insignien, bis hin zur deutlichen Ähnlichkeit des Portraits mit dem Portraitierten. Aber selbst diese stellt Michelangelo in Frage, als sich ein Fürst bei ihm beklagt, weil er keine Ähnlichkeit mit sich und dem Portrait erkennt: „Meinst du, dass in 1000 Jahren das Jemand schert, wie ähnlich dein Porträt dir ist“. Worum geht es Michelangelo hierbei? Natürlich um die Schönheit und innere Stimmigkeit der Skulptur. Dürer widmet sich dieser Problematik mit folgendem Zitat: „Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie“. Bis zur Erfindung der Fotographie war die Kopie von der Natur ein wichtiger Aspekt in unserer abendländischen Kunst. Natürlich geht hier das, worauf das Dürerzitat abzielt, weit über die Kopie hinaus.

Danach versuchte man eine Intensivierung des Ausdrucks der Skulptur. Das geht bei dem norwegischen Maler Edvard Munch soweit, dass ein Schrei sich in Mensch und Landschaft gleichzeitig manifestiert, und Mensch und Landschaft durch den Schrei zu einer Einheit verschmelzen. 

Neben diesem  expressiven Ausdruck gibt es in der Kunst den Versuch vor  allem seit Auguste Rodin (um 1900) über den lebendigen Ausdruck des Körpers bis in den kleinsten Fingermuskel hinein, etwas zu schaffen, das einer Skulptur eine Seele einhaucht. 

Anders als bei der Fotographie bestimmt nun der Künstler jede Nuance der Oberflächengestalt und letztlich aber nur diese. Materiell dringt er nicht ins Innere der Skulpur vor. 
Er muss nicht wie der Photograph die Pose beim Porträtierten vertreiben und auch nicht die Stimmung erzeugen, die einem entgleisten Gesicht einen interessanten seelischen Ausdruck verleiht. 
Nur in der Gesamtstruktur der Oberfläche, in den Tälern, Kuppen und Rillen findet sich der seelische Ausdruck. Der Portraitist widmet sich diesen Formen in Ohren, Hautfalten und Nasenstegen in stetiger Beobachtung bemüht, alle Gestalten, die sich verändern wie die Wolken am Himmel – unsere Mimik ist ständig aktiv -  genau zu erfassen und in Ton zu plastizieren oder in Stein zu  meißeln. 
Im Laufe der Zeit bildet sich im Künstler eine Gestalt, die den Porträtierten für den Künstler repräsentiert. Hier vollzieht sich in geheimnisvoller Weise ein Vorgang, der, wenn das Portrait gelingt, zu  einer Ganzheit führt, zu einer seelischen Signatur des  Portraitierten, die beim Betrachter das Gefühl erzeugt: "ja, das ist er". Gerade dieser alle Nuancen integrierende verborgene Vorgang ist es, der die Freude aber auch die Anstrengung beim plastischen Arbeiten am Portrait ausmacht.


Die ausgestellten Porträts stammen allesamt von Menschen in meiner näheren Umgebung als Freunde, Verwandte oder als Stammtischmitglieder.  
Bei den meisten Porträts handelt es sich um Bronzegüsse, einige sind patinierte Gipsabdrücke.  Wer den Vorgang des Bronzegusses verstehen will, oder insgesamt noch mehr erfahren will über diesen geistigen Prozess der Gestaltbildung, kann in meiner Hompage „Schorsch Bichler“ im Internet einiges finden.


Text im Trostberger Tagblatt